27. April 2010
Aschenputtel schlägt Prinzessin
Professor Hans K. Schulze stellt Kaiserin Theophanu im Portal zur Geschichte
 in Bad Gandersheim vor

Beinahe wäre sie 2005 ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen worden: die Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu. In einem knappen Finish jedoch unterlag das einzigartige Dokument der Erstausgabe der Grimmschen Hausmärchen: Aschenputtel schlägt Kaiserin.

Mit Theophanu und ihrer prachtvollen Heiratsurkunde, die über viele Jahrhunderte im Frauenstift Gandersheim aufbewahrt wurde, hat sich der renommierte Historiker Hans K. Schulze in seinem jüngsten Buch beschäftigt, das er am Dienstag, den 27. April 2010 ab 19.00 in Portal zur Geschichte/Kloster Brunshausen dem interessierten Publikum vorstellen wird. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Kaiserin Theophanu war eine der faszinierendsten Frauen des Mittelalters. Die aus Konstantinopel stammende Gemahlin Ottos II. nahm als Mitkaiserin an der Regierung des Reiches teil und führte nach dem Tod des Kaisers die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Otto III. Nach ihrem frühen Tod wurde sie in St. Pantaleon in Köln beigesetzt. Das Gandersheimer Frauenstift gehörte Zeit ihres Lebens zu ihren bevorzugten Aufenthaltsorten. Hier wurden auch lange die persönlichen Papiere der Kaiserin aufbewahrt – darunter auch eine prachtvolle Heiratsurkunde.

Die Gestalt Theophanus, der "griechischen Kaiserin", hat die Historiker, aber auch die Dichter, immer wieder fasziniert, obgleich nur wenige mittelalterliche Quellen von ihrem Aussehen und ihrer Persönlichkeit, von ihrem Leben und Wirken künden. Bis heute: So widmete Guido Knopp ihr in seiner ZDF-Dokumentation über das Mittelalter eine eigene Episode.

Der Autor Hans K. Schulze wird in seinem reich bebilderten Vortrag vom Leben der byzantinischen Prinzessin erzählen und es in den allgemeinen geschichtlichen Rahmen einordnen. Auch davon wird die Rede sein, warum Theophanu eine solch prachtvolle Heiratsurkunde erhielt und welche diplomatisch verwickelte (Vor-) Geschichte dahinter steckt.

Sie gilt mit ihrer üppigen Purpurbemalung, den exotischen Medaillons und der goldenen Schrift als die schönste Urkunde des Mittelalters. Sie ist ein Kunstwerk von hohem Rang und ein wichtiges Zeugnis für die politischen und kulturellen Kontakte zwischen Orient und Okzident im 10. Jahrhundert.

Das UNESCO-Auswahlverfahren gab den Anstoß für dieses Buch. Die Niedersächsische Archivverwaltung, in deren Obhut sich das Dokument befindet, präsentiert darin die in Form und Inhalt einzigartige Theophanu-Urkunde einer breiteren Öffentlichkeit. Der liebevoll illustrierte Band verzichtet bewusst auf einen gelehrten Apparat. Er wendet sich an Liebhaberinnen und Liebhaber der Geschichte, eine kunst- und kulturgeschichtlich interessierte Leserschaft.

Hans K. Schulze, langjähriger Ordinarius für Mittelalterliche Geschichte an der Phillipps-Universität Marburg, gilt als einer der besten Kenner des mittelalterlichen Kaisertums. Er hat zahlreiche Bücher zu diesem Thema veröffentlicht.

[zurück]