"Kein bleiben haben wir auff dieser argen Welt ..."
Das Mecklenburgische Grabmal (1686)
Über einer Gruft erhebt sich das 1686 errichtete hölzerne Grabmal der beiden Schwestern und Gandersheimer Fürstäbtissinnen Christine und Marie Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin. Wie auf einer Theaterbühne werden dem Betrachter die Porträts der Schwestern präsentiert. Zahlreiche Engel umfliegen die beiden Bilder. Viele Inschriften erzählen vom Leben der beiden Frauen und erinnern: Nur durch den Glauben kann man den Tod überwinden.

 


Die beiden auf Kupferplatten gemalten Porträts zeigen die Fürstäbtissinnen als adlige Damen in prunkvoller barocker Kleidung, links die 1693 verstorbene Christine, deren Sarkophag im Gewölbe unter dem Grabmal steht. Das rechte Gemälde zeigt ihre jüngere Schwester, Fürstäbtissin Maria Elisabeth. Eine verlöschende Kerze, ein Totenkopf und eine verblühte Rose künden von der Vergänglichkeit des Lebens. Auch zwei der Engel, die sich links und rechts auf dem Grabmal erheben, halten dem Betrachter Symbole der Vergänglichkeit entgegen, ein Stundenglas und einen Totenkopf. Zwei weitere Engel bringen den beiden Frauen die Kronen des ewigen Lebens herbei und halten diese sinnbildlich über die Köpfe der Porträtierten. Ein Spruchband, das von zwei weiteren Engeln getragen wird, verdeutlicht dem Betrachter, warum die beiden Frauen gekrönt werden:

 „Nehmt von des Herren hant nun hin die schöne Kron,

Ihr hochseligsten, zum süßen Gnadenlohn.“

 

Die zahlreichen Inschriften des Grabmals wurden von Pastor Gottfried Ballenstedt, dem Rektor der Stiftsschule und späterem Hofprediger des evangelischen Damenstifts Gandersheim verfasst. Sie beschreiben das Leben der beiden Fürstäbtissinnen und enthalten mehrfach Mahnungen, die zu einem gottesfürchtigen Leben aufrufen:

„So geht es in der Welt, der eine mit dem Andern

Des Todes Straße mus, obgleich ungerne, wandern.

Kein bleiben haben wir auff dieser argen Welt.

Wohl dem der zeitig sich zu seinem Jesu hält.“

Von der ursprünglichen Bemalung, die in Blau, Weiß und Gold erstrahlte, ist kaum noch etwas vorhanden. Die Grüntöne, die das Grabmal heute bestimmen, entstanden versehentlich: Da die Vergoldung im 19. Jahrhundert mit einer billigeren Messingauflage aufgefrischt worden war, kam es zu Oxidationen, und die ehemals goldenen Teile verfärbten sich grün. Später hielt man den grünen Farbton für die richtige Bemalung und malte diese nach.

Bis heute erkennbar ist der Wunsch des Künstlers, alle Sinne des Betrachters anzusprechen: Die unterschiedlichen Materialien scheinen fast greifbar, Stoff bauscht sich im Wind, Blüten und Weintrauben umranken das Grabmal und künden vom Paradies, in das die Schwestern einzugehen wünschten.

Franziska Götz

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