"von Gottes Gnaden Kaiserin"
Theophanu
(* um 960 in Konstantinopel, + 991 in Nimwegen)


Nicht „unter dem Purpur geboren“
Theophanu, um das Jahr 960 geboren, entstammte einer byzantinischen Adelsfamilie und verbrachte ihre Kindheit im Kaiserpalast von Konstantinopel. Der byzantinische Kaiser Johannes Tzimiskes war ihr Onkel. Durch ihre Heirat mit Otto II., Sohn und Mitkaiser des Liudolfingers Otto I., entstand auch eine politische Verbindung zwischen dem westlichen und dem östlichen Kaiserreich. Otto der Große hatte schon mehrmals Brautwerber nach Konstantinopel geschickt. Für ihn schien nur eine Kaisertochter als  angemessene Braut für seinen 17-jährigen Sohn und designierten Thronfolger in Frage zu kommen. Im Jahre 972 kam die 12-jährigeTheophanu in Rom an. Erst jetzt erfuhr Otto, dass seine zukünftige Braut keine „unter dem Purpur geborene“, keine im Purpurgemach des Palastes geborene Tochter des Kaisers, sondern „nur“ dessen Nichte war. Obwohl viele Angehörige Ottos forderten, die byzantinische Prinzessin zurückzuschicken, akzeptierte dieser sie als Braut. Nach ihrer Heirat wurde Theophanu zur Mitkaiserin („Coimperatrix“) ernannt, und war damit die erste und einzige Kaiserin des Deutschen Reiches, die diesen Titel führte. Die purpurfarbene und mit Goldschrift geschriebene Heiratsurkunde des Kaiserpaares wurde lange Zeit im Reichsstift Gandersheim verwahrt. Nach dessen Aufhebung 1810 gelangte sie in das neugegründete Staatsarchiv Wolfenbüttel.

Machtkämpfe
Nach dem Tod Ottos I. übernahm König Otto II. mit seiner Frau Theophanu die Herrschaft im Reich. Schon bald gab es Streit zwischen ihr und ihrer Schwiegermutter Adelheid von Burgund, die nicht mit ihrer willensstarken Schwiegertochter umgehen konnte. Es kam zum Zerwürfnis in der Familie. Herzog Heinrich von Bayern, „der Zänker“ genannt und Verbündeter Adelheids, machte Otto II. seine Macht im Reich streitig. Im Jahre 980 kam Otto III., Sohn Theophanus und Ottos II. zur Welt. Anders als die Töchter des Paares, die schon in jungen Jahren in verschiedene sächsische Stifte kamen, um erzogen und ausgebildet zu werden, blieb Otto in der Fürsorge seiner Eltern. Noch im selben Jahr zog Otto II. nach Italien, wo kurz zuvor die Sarazenen eingefallen waren. Theophanu begleitete ihn auf dieser Reise, zusammen mit dem 4 Monate alten Sohn. Im Juli 982 starb Theophanus Mann Kaiser Otto II. im Alter von gerade mal 28 Jahren. Ihr Sohn Otto III. wurde 983 in Aachen zum König gekrönt, Theophanu war zu dieser Zeit noch immer in Italien. Ottos nächster Verwandter, der sich im Reich aufhielt, war Heinrich der Zänker. Er nutzte die Gelegenheit und übernahm die Vormundschaft für den kindlichen König. Bald meldete er eigene Ansprüche auf die Königswürde an. Gegen diesen erneuten Machtanspruch des Zänkers verbündete sich Theophanu nun mit ihrer Schwiegermutter, mit der es angesichts der arabischen Bedrohung zur Versöhnung gekommen war. Heinrich der Zänker musste seine Herrschaftspläne bald offiziell aufgeben. Theophanu und ihre Schwiegermutter Adelheid von Burgund reisten zurück über die Alpen ins Reich. Im Mai 985 wurde Theophanu endgültig die Herrschaft zugesprochen, bis zu ihrem Tode 991 in der Pfalz Nimwegen war sie Regentin des Heiligen Römischen Reiches als Vormund ihres Sohnes Ottos III.

Über den Tod hinaus ...
Theophanu, die bis heute als eine der bedeutendsten Herrscherinnen des Mittelalters gilt, hatte auch großen Einfluss auf Kunst und Kultur im ottonischen Reich. Ihre Heirat mit Otto II. führte zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung mit byzantinischer Kunst, in ihrem Gefolge kamen Künstler und Architekten ins Reich, in der Buchmalerei und der Goldschmiedekunst begann man, sich an byzantinischen Vorbildern zu orientieren. Dieser Einfluss blieb noch weit über den Tod Theophanus erhalten. Auch die Verbreitung des Nikolauskultes, der Verehrung des Heiligen Nikolaus von Myra, geht auf Theophanu zurück. Auf ihre Zeitgenossen im Reich muss Theophanu mitunter sehr außergewöhnlich gewirkt haben, wurde sie doch immer wieder als exotische Erscheinung beschrieben, die besonders prächtige Kleidung und aufwändigen Schmuck trug.
Theophanus Tochter Sophia wurde eine der wichtigsten Äbtissinnen in Gandersheim und auch Theophanu selbst hat sich oft hier aufgehalten, vielleicht sogar hier ihre jüngste Tochter Mathilde zur Welt gebracht. Das Stift erhielt von ihr 990 im Namen ihres zehnjährigen Sohnes Otto III. Markt-, Münz- und Zollrecht und sicherte so seine wirtschaftliche Selbstständigkeit.
Theophanu starb am 15. Juni 991. Ihre Heimat Byzanz hat sie nie wieder gesehen. Auf eigenen Wunsch wurde sie in St. Pantaleon in Köln beigesetzt.
Seit dem Jahre 1989 findet an ihrem Todestag, dem 15. Juni, am Sarkophag Theophanus eine Abendmahlsfeier statt, um der Einheit der Christen in Ost und West zu gedenken.

Franziska Götz

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