Begleitmaterial zur Sonderausstellung
Fotografie
Alfred Ehrhardt richtete seine fotografische Arbeit auf die Grundformen der Natur. Er untersuchte Strukturen im Watt, in Dünenlandschaften und auf Island, fotografierte Kristalle, Muscheln, Korallen und arbeitete mit Makro- und Mikrofotografie. Auch bildhauerische Werke und landeskundliche Themen spielten eine Rolle.
Zwischen 1934 und 1936 wandte sich Ehrhardt zunehmend der Fotografie und dem Dokumentarfilm zu. 1936 stellte er erstmals die Serie Das Watt aus, die international gezeigt wurde. Es folgten reisen nach Flandern, Böhmen, Mähren und Island sowie dreizehn Bildbände zwischen 1936 und 1947.
Mit seinen Fotobüchern beschritt er einen neuen Weg: Sie folgen einem sorgfältig entwickelten Konzept rhythmisch-wechselnder Bildfolgen, miteinander korrespondierender Motive sowie variierender Formate, Kameraperspektiven und Einstellgrößen. Den Fotografien ist ein einführender Text vorangestellt.
Seine Arbeitsweise
In seinen frühen Serien - Das Watt, Die Kurische Nehrung, Kristalle, /Muscheln und Schnecken -
löst Ehrhardt die Motive durch komponierte Bildausschnitte und starke Hell-Dunkel-Kontraste aus ihrem Umfeld. Formen werden vereinfacht, Linien hervorgehoben, Strukturen sichtbar gemacht. Die Natur erscheint nicht als Landschaft, sondern als Gefüge aus Linien, Flächen und Kräften.
Neue Sachlichkeit -was bedeutet das hier?
Die Neue Sachlichkeit steht für eine präzise, nüchterne und objektive Darstellung der Wirklichkeit. In Ehrhardts Fotografie zeigt sich das durch:
- klare, scharfe Darstellung
- Betonung von Struktur und Oberfläche
- sachliche, reduzierte Komposition
- Konzentration auf das Wesentliche
Diese Haltung half ihm, natürliche Formen bis an die Grenze der Abstraktion sichtbar zu machen.

Künstlerische Grundlagen
Ehrhardts kompositorische Präzision geht auf seine Ausbildung zurück:
- Am Bauhaus Dessau lernte er den bewussten Umgang mit Material, Oberfläche und Licht.
- Als Musiker dachte er in Rhythmen, Wiederholungen und Variationen, die sich in seinen Bildkompositionen spiegeln.
- Besonders die Kristallografie wurde für ihn wichtig: Die geometrischen Wachstumsformen von Kristallen verstand er als Modell für natürliche Ordnungssysteme.
Natur als Ordnungssystem
Ehrhardt wollte die inneren Gesetzmäßigkeiten der Natur sichtbar machen - die ̒elementaren Urkräfte", die allen Erscheinungen zugrunde liegen. Seine analytische und zugleich poetische Sichtweise brachte ihm den Ruf eines „Naturphilosophen mit der Kamera" ein.
