Begleitmaterial zur Sonderausstellung

Malerei und Grafik

Ein Blick hinter die Werke

Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn arbeitete Alfred Ehrhardt intensiv mit Malerei und Grafik. Diese frühen Werke zeigen bereits sein Interesse an Rhythmus, Struktur und klaren Formen. Während seiner Tätigkeit als Musik- und Kunstlehrer in Gandersheim entwickelte er daraus eine eigene Bildsprache, die eng mit seinem musikalischen Denken und seiner pädagogischen Arbeit verbunden war. 

Ein Studienaufenthalt am Bauhaus Dessau (1928/29) verstärkte seinen experimentellen Ansatz. Dort lernte er, Form, Material und Abstraktion bewusst einzusetzen - Impulse, die er nach seiner Rückkehr unmittelbar in seine Kunst und seinen Unterricht integrierte.

Wie Erhardt arbeitete

Ehrhardt verband drei Bereiche miteinander: 

Musik

Rhythmus, Struktur und Dynamik prägen die Bildkompositionen von Erhardt und verleihen seinen Werken eine einzigartige Tiefe.

Bildende Kunst

Erhardt experimentierte mit verschiedenen Techniken wie Öl, Pastell, Aquarell und Druckgrafik, um seine künstlerische Vision auszudrücken.

Pädagogik

Seine Unterrichtspraxis förderte das spielerische Erproben von Formen und Materialien, was die Kreativität der Schüler anregte.

Erhardt Bildsprache

EIN SPIEL AUS FORM UND KONTRAST

Reduzierte geometrische Formen


Blockhaft, stilisierte Figuren


Starke Hell-Dunkel-Kontraste


Präzises Zusammenspiel von Linie und Fläche 

Erhardts Ziel war es, das Wesentliche einer Form sichtbar zu machen und das Naturvorbild auf seine Grundstrukturen zurückzuführen.

Ehrhardts Auseinandersetzung mit Form, Rhythmus und Material bildet die Grundlage für sein späteres fotografisches und filmisches Werk. Die Ausstellung zeigt damit nicht nur frühe Arbeiten, sondern auch die Wurzeln eines Künstlers, der später zu einem der bedeutendsten Kulturfilmschaffenden der Nachkriegszeit wurde. 

Mit einem Abstand von zehn Jahren treten zwei technisch unterschiedliche Arbeiten in einen stillen Dialog: Seide offenbaren einen konstanten Blick für Materialität sowie eine präzise Einteilung von Bildfläche und Bildraum. So zeigen Malerei und Fotografie trotz ihrer medialen Differenz ein gemeinsames kompositorisches Denken, das sich über die Zeit hinweg fortschreibt.

Ohne Titel (Landschaft), 1929 Gouache auf Japanpapier 40,9 x 32 cm © Alfred Ehrhardt Stiftung 

Island, Myvatn (Mückensee), 1938/39 17,8 x 24,0 cm © Alfred Ehrhardt Stiftung 

Künstlerische Einflüsse - kurz erklärt

Expressionismus: starke Farben, emotionale Wirkung, betonte Linien.

Kubismus: Zerlegung der Formen, geometrische Vereinfachung.

Futurismus: Bewegung, Energie, moderne Dynamik.

Bauhaus: Reduktion, Klarheit, Materialbewusstsein, abstrakte Gestaltung.

Mittelalterliche Kunst: klare Symbolik, vereinfachte Figuren, archaische Wirkung.